Archiv für die Kategorie ‘Coaching’

Das Ende eines Traumas

Veröffentlicht: 12. Januar 2012 in Coaching, Politik

Ein Kommentar zur OB-Abwahl in Duisburg

Nun ist es soweit. Mit dem Eintreffen der Wahlbenachrichtigungen bei den Wählern in Duisburg ist die Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland in die entscheidende Phase eingetreten. Ab sofort können die wahlberechtigten Duisburger ihre Stimme für oder gegen den OB abgeben. Und in den meisten Bezirksämtern sind schon am ersten Tag dutzende Bürger mit ihren Wahlbenachrichtigungen und dem Personalausweis vorstellig geworden und haben bereits gewählt.

Wenn man mit den Leuten auf der Strasse spricht, dann hört man neben dem dringenden Wunsch diesen OB loszuwerden, auch immer wieder den resignierten Satz „aber im Grunde wird sich ja doch nichts ändern“. Und vielleicht ist es dieses Gefühl der Machtlosigkeit, das die Politikverdrossenheit ausmacht und Vielen den Weg zur Wahlurne vermiest. Aber bei dieser Wahl ist vieles anders.

Gerade in diesem (Ab)Wahlverfahren geht es darum mit seiner Stimme tatsächlich etwas zu bewirken. Bei dieser Wahl zählt jede Stimme, denn sie kann dazu beitragen einen OB während seiner Amtsperiode aus dem Amt zu entfernen. Hier geht es um wirkliche Demokratie, um einen direkten Bürgerentscheid, deren Auswirkung bereits am Abend des 12.02.2012 feststehen wird. Hier entscheiden die Bürger dieser Stadt direkt ob ein Mann im Amt bleiben darf, der seiner Stadt einen unermesslichen Imageschaden zugefügt hat.

Aber diese Wahl ist noch weit mehr als ein Bürgerentscheid in direkter Demokratie. Sie ist ein Zeichen der Duisburger Bürger für die Toten, Verletzten, Hinterbliebenen der verheerenden Loveparade-Katastrophe. Mit dieser Abwahl kann den Betroffenen endlich gezeigt werden, dass die Stadt mit ihnen fühlt, mit ihnen trauert. Das hätte von einem verantwortungsbewußten OB bereits am Tag der Katastrophe geschehen müssen. Stattdessen wurde nur versucht Schuld abzuwehren.

Bis heute hat die Stadt das Trauma nicht verwunden, weil es weder Trauer noch Mitgefühl oder gar Zuspruch von verantwortlicher Seite gab. Jetzt haben die Menschen dieser Stadt die einmalige Chance dies mit ihrer Stimmabgabe nachzuholen und die Verantwortung zu übernehmen, dem faden Beigeschmack von unverantwortlichem Eigensinn und schnöder Machtbesessenheit endlich ein Ende zu setzen.

Lassen Sie uns alle gemeinsam mit der Abwahl dieses Oberbürgermeisters der Welt, die uns zusieht, zeigen, dass wir an der Seite der Verletzten und Hinterbliebenen stehen und in unserer Stadt ein Oberbürgermeister nichts zu suchen hat, der nur an seiner Macht klebt. Lassen Sie uns mit dieser Abwahl den Betroffenen endlich die Möglichkeit geben, wieder Ruhe zu finden und das Trauma abschliessen zu können, in der Gewissheit, dass sie doch nicht allein gelassen werden.

Hans-Peter Weyer

Text unter cc-by-Lizenz

Auf ein Neues

Veröffentlicht: 31. Dezember 2011 in Coaching, Gesellschaft

Das Jahr 2011 ist vorbei. Es war ein Jahr, das . . .

Ach lassen wir das. Wenn ich etwas wirklich nicht mag, dann sind es zum Jahresende diese ewigen Rückblicke. Auf allen Sendern – immer das Gleiche. Und was bringen diese Rückblicke? Nichts. Es ist vorbei! Aus! Finito!

Natürlich haben bei den royalen Hochzeiten wieder Millionen weltweit vor den Fernsehern gesessen und die Taschentücher vollgeheult. Aber was bringt es darüber noch einmal nachzudenken. Denkt jemand an die zigtausend Ehen, die in diesem Jahr geschieden wurden? Da heult doch auch keiner. Ausgenommen vielleicht der Kinder. Denn in beiden Fällen werden es die Kinder sein, die diesen Schritt ihrer Eltern ausbaden müssen.

Natürlich sind wieder viele Prominente gestorben. Und der Eine oder Andere wird es bedauern, weil sie Helden, Vorbilder oder Begleiter seines Lebensweges waren. Aber wieviele Menschen, Familien, Einsame werden auch durch diese Bilder an die Verstorbenen in ihrer direkten Umgebung erinnert und noch einmal in ihre Trauer gestürzt?

Nicht zurückblicken. Wir können nichts mehr ändern. Es ist Vergangenheit. Das Leben geht weiter, hier wie da. Und vor uns liegt das Jahr 2012. Vor uns liegen 366 Tage. Das heißt 366 Herausforderungen, 366 Abenteuer, 366 mal Möglichkeiten unser Leben zu gestalten und vielleicht sogar die Welt ein wenig zu verändern.

Haben Sie gute Vorsätze für dieses neue Jahr? Ein Tip: vergessen Sie sie gleich wieder. In der Juristerei weiß man Vorsatz erhöht das Strafmaß! Umso mehr frage ich mich jedes Jahr, warum so viele Menschen sich diese Qual antun.

Kaum jemand hält sich längere Zeit an diese „guten Vorsätze“. Das  kann auch nicht klappen. Gute Vorsätze haben das Ziel, sich für etwas zu verpflichten, das man im ganzen vergangenen Jahr schon locker hätte erledigen können – wenn man es wirklich wollte. Warum sollte es jetzt mit einer selbst gegebenen Verpflichtung plötzlich leichter sein? Das einzige was dabei herauskommt, ist die immer mehr quälende Selbstkasteiung und die länger werdenden Selbst- und Fremd-Vorwürfe, wenn man es wieder nicht geschafft hat.

Entscheidungen treffen wir nur im Hier und Jetzt. So wie wir auch nur im Hier und Jetzt Leben. Wir können Entscheidungen nicht auf ein bestimmtes Datum projizieren. Jetzt Leben, jetzt entscheiden, jetzt machen.

Haben Sie Angst vor dem 21.12.2012? Sie wissen doch, an diesem Tag geht die Welt unter – jedenfalls nach dem Maja-Kalender. Haben Sie vielleicht sogar schon Vorräte angeschafft, sich einen Bunker gebaut, Waffen zugelegt? Wofür? Wenn die Welt wirklich an diesem Tag unter geht,  glauben Sie mir, dann geht sie mit Vorräten, mit Bunker und mit Waffen unter! Was haben Ihnen dann die ganzen Vorbereitungen und die Angst gebracht? Nur Sorgen und ein Jahr, in dem Sie vergessen haben zu leben.

Wir können weder die Vergangenheit ändern, noch die Zukunft so vorbereiten, das alles nach Plan verläuft. Wir leben und gestalten immer nur im Jetzt, immer nur in diesem Augenblick. Also, wenn es anders kommt als sie geplant haben, dann ist das schon richtig so. Das ist die Herausforderung, das Abentuer, jeden neuen Tages. Machen wir das Beste daraus.

Das alte Jahr ist vergangen, Auf ein Neues!

 

Text cc-by Hans-Peter Weyer

Selbstmord – Kapitulation der Hoffnung

Veröffentlicht: 4. September 2011 in Coaching, Persönlichkeit
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Vor einigen Tagen rief mich ein guter Bekannter an, um sich bei mir auszusprechen und damit eine belastende Situation besser zu verarbeiten. Er ist Zugführer im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn. Nur etwa eine Stunde vor unserem Gespräch hatte ein Pärchen gemeinsam Selbstmord begangen.

Zwischen Büschen hatten sie neben den Gleisen auf den Fernzug gewartet und waren dann im entscheidenden Augenblick Hand in Hand vor den Zug gesprungen. Bei 200 km/h hatte der Zugführer die Beiden gerade noch aus dem Augenwinkel gesehen, als es auch schon den Aufschlag gab und beide vermutlich sofort tot waren.

Die Schrecksekunde eingerechnet braucht ein Zug aus der Geschwindigkeit bei Notbremsung immer noch zwei bis drei Kilometer bis er steht. Meldung an die Zentrale, das Stellwerk und die Notmannschaften sind oft geübte Handgriffe und  Selbstverständlichkeiten, bis dann die kurze Ruhephase kommt, in der der Zugführer richtig realisiert was geschehen ist.

Mein Bekannter hat richtig erkannt, dass ihn keine Schuld an dem Tod der beiden Menschen trifft und er auch keine noch so kleine Chance hatte, dieses Unglück zu verhindern. Er hat nach den Gesprächen mit Bundespolizei, Unfallpsychologen und Notarzt vor Ort den Zug verlassen, mußte dann gleich zu einem Dienstarzt fahren und sollte sich zunächst ein paar Tage ausruhen. (Übrigens bei der DB eine vorbildliche Unfallbetreuung!)

Wenn ich solche Geschichten höre, stelle ich mir immer wieder die Frage, was kann die Menschen so verzweifeln lassen, daß sie bereit sind ihr Leben wegzuwerfen? Dieses Pärchen soll etwa um die dreissig Jahre alt gewesen sein. Also eigentlich mitten im Leben. Was hat sie dazu gebracht im Tod eine Lösung zu suchen, die das Leben ihnen nicht mehr bieten konnte?

Ich habe in meinem Leben eine Menge Dinge erlebt, die mich verzweifeln liessen. Aber ich habe nie daran gedacht, mir das Leben zu nehmen. Auch als ich drei Jahre so schwer krank war, dass ich mich kaum noch bewegen konnte, habe ich nie die Hoffnung aufgegeben, dass sich noch etwas ändern könnte.

Eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes (da hieß es noch so) hat damals wörtlich zu mir gesagt „Herr Weyer, Leichen kann ich nicht vermitteln. Haben Sie schon mal in den Spiegel geschaut?“ Ich war nur noch Haut und Knochen, bleich und zusammen gefallen. Ich habe die Dame verstanden – und habe die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben und weiter gekämpft.

So hat es eine Menge Zeiten in meinem Leben gegeben, die verdammt schwer waren. Ständig auf und ab. Das kann mürbe machen. Oft genug war ich so weit unten, dass ich keinen Ausweg mehr sehen konnte. Aber immer blieb ein klein wenig Hoffnung und der Wille etwas ändern zu wollen.

Zuletzt vor wenigen Jahren, schon im Alter von rund fünfzig Jahren, habe ich alles verloren, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte. Ich möchte jetzt nicht über die Gründe reden, aber mir wurde ein Schlag versetzt, der mich vorübergehend sogar obdachlos machte. Das zehrt an den Nerven, liebe Leser, und ich kann mich gut in Menschen hinein versetzen, die völlig verzweifelt sind.

Doch ein Selbstmord kam für mich nie in Frage. Solange ich atme und mich bewegen kann, wenn vielleicht auch, wie in meiner Krankheit, nur sehr schwer, langsam und unter Schmerzen, solange habe ich doch Hoffnung und kann alles daran setzen etwas zu verändern.

Was ist das, das dem jungen Pärchen auch noch diese letzte Hoffnung auf Besserung ihrer Lage genommen hat? Wie kann auch noch das letzte bischen Hoffnung vor den scheinbaren Realitäten des Lebens kapitulieren?

Warum schreibe ich jetzt „scheinbare Realitäten“? Immerhin haben die Realitäten im Leben dieser beiden Menschen jetzt zwei Menschenleben gekostet. Und das war kein „Schein“. Mein Bekannter mußte es erleben.

Stimmt. Aber war die Lage wirklich so ausweglos? Ganz sicher nicht! Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Manchmal muß man sehr lange danach suchen und das ist oft hart und grausam. Aber für das Leben, so schwierig es auch sein mag, gibt es keinen Ersatz.

Schlimm wird jedes Problem, wenn man das Gefühl hat, damit allein zu stehen. Aber niemand, wenn er nicht grad völlig allein auf einer einsamen Insel lebt, wirklich niemand ist allein. Schauen sie sich um wie viele Menschen sich um Sie herum aufhalten. Da kann von „allein“ sicher nicht die Rede sein.

Wenn Sie in eine ausweglose Situation kommen, dann sprechen Sie die Menschen an und bitten Sie um Hilfe. Und wenn Sie, aus welchem Grund auch immer, abgewiesen werden, dann gehen Sie zum Nächsten. Geben Sie nicht auf bis Sie den einen Menschen gefunden haben, der bereit ist Ihnen zuzuhören. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden ihn finden!

Natürlich leben wir in einer schlimmen Zeit, wenn wir es daran messen, wie wenig sich die Menschen umeinander kümmern. Wie wenig weiß ein Nachbar vom anderen. Und auch ich kenne die persönliche Lage meiner Nachbarn nicht. Aber mir fällt auf, wenn ich einem begegne, daß er, aus welchem Grund auch immer, niedergeschlagen aussieht – und ich kann ihn ansprechen.

Ich kann den Menschen, die mir auf der Straße begegnen, ein Lächeln schenken. Ich kann signalisieren „du bist nicht alleine“. Und vielleicht ist das der Grund, warum plötzlich ein wildfremder Mensch zu mir kommt und mir von seinem Problem erzählt. Vielleicht ein Problem, bei dem er keine Hoffnung mehr hatte und jetzt ein klein wenig Hoffnung neu wächst und ihn ermuntert weiter zu kämpfen.

Dem Pärchen bei Bremen helfen diese Erkenntnisse jetzt nichts mehr. Aber meinem Bekannten und den Angehörigen dieser beiden, kann es vielleicht eine Hilfe sein. Denn indem diese beiden Menschen aufgegeben und auf diese Weise den Freitod gewählt haben, haben sie andere in eine Notlage gebracht.

Mein Bekannter hatte sofort jemanden mit dem er reden konnte, dafür hat er meine Rufnummer, und sicher werden noch Gespräche folgen, in denen dieses Ereignis eine Rolle spielt. Aber er hat sich mental darauf eingestellt, dass daran nichts zu ändern ist und er sich keine Vorwürfe machen muss.

Andere Zugführer, Strassenbahn-, Bus oder LKW-Fahrer, sind an solchen Situationen verzweifelt und konnten lange oder gar nicht mehr ihren Beruf ausüben. Auch Helfern von Polizei und Rettungsdiensten kann es passieren, dass sie lange psychologische Betreuung benötigen.

Selbstmord betrifft immer auch andere, nicht nur denjenigen, der keinen anderen Ausweg mehr sieht. Mindestens trifft es immer die Angehörigen, die sich vermutlich immer fragen werden, was sie hätten tun können, um das zu verhindern. Wir können eigentlich alle nur eins tun, um solche Katastrophen zu verhindern: Hoffnung schenken! Menschen sein!

Vielleicht ist ja wirklich und gerade in unserer hoch technisierten Welt, der Zeitpunkt gekommen, den Menschen wieder in den Vordergrund zu rücken. Wir können etwas verändern, wenn wir es wirklich wollen. Bei vielen jungen Menschen beobachte ich, dass sie neben dem ausgelassenen Feiern (auch zu viel rauchen, trinken und kiffen eingerechnet) bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

Da werden auch schon mal Freunde oder Mitglieder der Clique angesprochen, wenn sie nicht zur Schule gehen, wenn sie in Spielhallen ihr Leben verspielen, wenn sie auf dem Weg in den Alkoholismus sind oder einfach depressiv in der Ecke sitzen. Bei all dem oberflächlichen Getue scheinen immer mehr junge Menschen zu erkennen, daß die Menschen in der unmittelbaren Umgebung nicht zu ersetzen sind.

Vielleicht sollten wir uns alle einmal folgenden Satz vor Augen halten:
               Jeder Mensch der Dir begegnet ist Teil Deines Lebens!

Ob Du ihn angesprochen hast oder nicht, ob Du ihn persönlich kennst oder nicht – sobald Du das Gesicht, das Bild oder die Stimme eines Menschen einmal gesehen oder gehört hast, ist er unauslöschlich in Deinem Kopf gespeichert. Er ist auf alle Zeiten ein Teil Deines Lebens. Spätestens wenn er Dir in irgendeiner Form wieder begegnet, wird Dein Gehirn Dir sagen, „ja, den hab ich schon mal gesehen“.

Natürlich verlangt niemand von uns für all diese gespeicherten Menschen die Verantwortung zu tragen. Aber wenn uns einer davon anspricht und um Hilfe bittet – dann sollten wir vielleicht, trotz all unserer Eile, kurz darüber nachdenken, ob wir ihm nicht ein paar Minuten zuhören und vielleicht an jemanden weitervermitteln können, der wirkliche Hilfe leisten kann.

Lassen Sie uns offen sein für Menschen denen wir begegnen, lassen Sie uns zuhören und vielleicht einen Menschen damit aus der Selbstmordstatistik dieses Jahres heraushalten. Vielleicht macht das Gleiche grad ein wildfremder Mensch mit einem guten Freund oder Mitglied Ihrer Familie.

Die Zahl der Menschen, die ihre Wut nicht im Zaum halten können und zu gewalttätigen Aktionen greifen nimmt zu. Noch nie wurden und werden so viele Jugendliche, Heranwachsende aber auch Erwachsene, oft auch durch Gerichtsurteile,  dazu angehalten Anti-Aggressions-Kurse zu besuchen. Viele dieser Kurse sind mit recht hohen Kosten verbunden, doch für die Betroffenen bringen sie zum Teil nur recht zweifelhafte Ergebnisse.

In der Mehrheit der Kurse werden die Betroffenen trainiert ihre Wut in andere Kanäle abzuleiten und sich zu kontrollieren. Doch welcher Mensch schafft es wirklich sich ständig unter Kontrolle zu halten. Es ist ein Privileg des Menschen sich und seine Gefühle einfach „mal gehen zu lassen“. Aber auch dann sollte er sich so weit beherrschen können, Handgreiflichkeiten zu vermeiden. Es geht in erster Linie um die Grundeinstellung zur Gewalt.

Sehr oft werden aggressive Menschen in den psychologischen Sitzungen nach Kindheitstraumata und Familienanamnese befragt. Dabei haben viele von ihnen das Gefühl sich seelisch vor dem Sitzungsleiter „ausziehen“ zu müssen. Und das in einer Art in der sie den Zusammenhang nicht erkennen bzw. verstehen können. Schon diese Vorgehensweise ist für die Betreffenden oft eine zusätzliche Belastung, die sie m.E. kaum von ihren Aggressionen befreit. In sehr vielen Fällen werden die Therapien nach kurzer Zeit durch die Betroffenen abgebrochen.

Aggressionen gehören ebenso wie die Flucht zu unseren Urinstinkten. Wenn es auf einen (vermeintlichen) Angriff keine Fluchtmöglichkeit mehr gibt, bleibt nur der Kampf, die Aggression. Wir leben nicht mehr in der Wildnis der Neandertaler, doch die Urinstinkte sind uns immer noch präsent.

In unserer Zeit, kommen die genannten Urinstinkte Kampf oder Flucht in anderer Art und Weise zum Tragen. Wir nutzen nicht mehr die Keule, sondern kämpfen heute mit verbalen Mitteln. Die ständig steigenden Zahlen von Mobbing-Opfern und Depressionen zeigen jedoch, dass auch der verbale Kampf in seiner Härte weiter zunimmt.

Gewalttätige Menschen erkennen für sich in diesem verbalen Kampf jedoch keine geeigneten Mittel des Kampfes mehr und wenden sich wieder den handgreiflichen Formen der Auseinandersetzung zu. Dabei stellen sie fest, dass diese Form der Auseinandersetzung ihnen sehr oft einen Vorteil verschafft, den sie mit Worten nicht haben konnten. Sie gewöhnen sich mit der Zeit immer mehr daran auf Auseinandersetzungen grundsätzlich nicht mehr verbal, sondern nur noch mit handgreiflicher Gewalt zu reagieren.

Als Aggressions-Coach versuche ich gemeinsam mit den Betroffenen herauszufinden, welche spezifischen Situationen oder verbalen Angriffe sie zu ihrem Verhalten veranlassen. Welches sind die (alltäglichen) Gelegenheiten in denen sie keine andere Möglichkeit als die handgreifliche Auseinandersetzung sehen und warum geraten sie in solche Situationen?

Aus dem Erkennen der Ursachen für die Aggressionen im Alltags-Ablauf, können wir dann auch gemeinsam ganz individuelle Programme und Aufgaben entwickeln, die dabei helfen aggressives Verhalten abzubauen. Es geht darum zu erkennen, dass  Gewalt im Grundsatz und körperliche Gewalt im Speziellen keine sinnvollen Mittel der Konfliktlösung sind. Zumal handgreifliche Gewalt in der heutigen Zeit immer zu gerichtlichen Konsequenzen führt.

Grundlage eines erfolgreichen Aggressions-Coachings ist das von Coach und Klienten gemeinsame Erarbeiten von Ursache und Therapieprogramm. Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Erstellung der Programme werden gestellte Aufgaben vom Klienten in besonderer Weise akzeptiert und durchgeführt. Damit wachsen die Chancen auf erfolgreiches Coaching.

www.hpweyer.de

Der Fluch des Friedens?!

Veröffentlicht: 23. August 2011 in Coaching, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft

Die arabisch-islamische Welt erhebt sich gegen ihre Regierungen/Despoten  –  in Paris brennen Vororte  –  in London werden ganze Stadtteile ausgeplündert  –  in Berlin und Hamburg brennen Autos  –  was passiert mit unserer sonst so friedlichen Welt?

Bankenpleiten überall auf der Welt  –  Millionen verhungernder Menschen in Afrika  –  überschuldete Staaten in Europa  –  fallende Börsenkurse auf allen Kontinenten  –  wachsende Armut in Deutschland  –  was passiert mit unserem hart erarbeiteten Wohlstand?

Brechende Ölplattformen und wachsende Ölteppiche auf den Meeren  –  verheerende Unwetter überall auf der Welt  –  nicht mehr zu erkennende veränderte Jahreszeiten  –  ständig neue Lebensmittelskandale und immer neue unbekannte Krankheiten  –  was passiert mit unserer menschenfreundlichen Umwelt?

Ist es wirklich so, daß unsere Welt und damit unser Leben völlig aus den Fugen gerät? Steuern wir auf eine weltweite Rezession und damit auf eine neue Weltwirtschaftskrise zu? Sind die Ausschreitungen der, zumeist jungen, Menschen der Beginn einer Art weltweiter Bürgerkrieg der Unzufriedenen?

Fragen über Fragen – und jeder Versuch einer Antwort öffnet hundert neue Fragen. Ist das vielleicht der Grund warum Regierende überall auf der Welt keine Antworten mehr geben? Oder haben sie einfach die Fragen nicht verstanden? Vielleicht wissen die Regierenden dieser Welt aber auch gar keine Antworten!?

Unruhen sind nicht eine Erscheinung der Neuzeit. Es hat sie schon immer gegeben. Doch in früheren Zeiten haben die Herrschenden es geschafft, den Unmut des Volkes in eine bestimmte Richtung zu lenken. Herodes konnte die Unzufriedenheit der Israelis gekonnt gegen den“aufrührerischen“ Wanderprediger Jesus von Nazareth richten. Im Mittelalter lenkten die christlichen Kirchen den Unmut der Bevölkerung über zu hohe Abgaben gegen die, ihnen ohnehin widersprechenden und somit lästigen, Hexen.

Andere richteten den Groll ihrer Untergebenen gegen den vermeindlichen Feind im Nachbarland und schickten sie in den Krieg (Cesar, Karl der Große, Napoleon) und erwarben sich damit gleich noch mehr Untertanen, die sie schröpfen konnten. Erst wenn die Menschen merkten, daß die Herrscher sie für ihre viel zu lange dauernden Kriege mißbrauchten und sie selbst nicht mehr hatten als vorher, richtete sich der Zorn wieder gegen die eigene Oberschicht (französische Revolution).

Und was ist heute anders? Sind die Menschen klüger als früher? Nein! Wir leben in Frieden! Nun wird der Eine oder Andere verwundert fragen, „ok, was ist daran schlecht?“. Natürlich gar nichts. Aber es verhindert, dass die Unruhigen wieder in einen Krieg geschickt werden können.

Auch der letzte große Krieg entstand aus Unzufriedenheit. Hitler schaffte zudem den seltenen Spagat, die Wut der Menschen einerseits auf die „falschen“ Leute, nämlich die Juden, zu projizieren und gleichzeitig auf die vermeindlichen Aggressoren rund um Deutschland. Und der brave Deutsche folgte. Erst die Allianz der Weltgemeinschaft machte dem Spuk ein Ende.

Aber auch die Macht der Industrialisierung und der Einsatz neuerer noch tödlicherer Waffen sorgten dafür, dass dem Krieg ein Riegel vorgeschoben werden mußte. Es wurden Friedensvereinbarungen oder zumindest Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Der Krieg war kein Mittel mehr Macht zu demonstrieren.

Mit der Entwicklung der Atomwaffen war endgültig jedem klar, dass es keine zu gewinnenden Kriege mehr geben konnte. Der „kalte“ Krieg, der Krieg ohne wirklichen Einsatz von Waffen, sondern durch gegenseitige Drohgebärden und Verhandlungen, die zu keinen wirklichen Ergebnissen führten, war geboren.

Kleinere Kriegsherde, die sich bildeten führten zu keinem Ergebnis, keinem Sieger, meh, weil immer Ost und West einander gegenüber standen und genau wussten, daß keiner einen falschen Schritt machen durfte.

Dann kamen mutige Männer an die Macht, die laut sagten, daß diese Situation beendet werden müsste. Es wurden Abrüstungsverhandlungen mit tatsächlichem Erfolg und mit großen Verhandlungsergebnissen durchgeführt. Jetzt ist man sich einig, dass jede Form von Krieg falsch ist.

Da wo der Krieg in kleinem Gebiet immer noch den Ton angibt oder da wo das Eingreifen der Weltengemeinschaft notwendig erachtet wird, tritt die Welt mit einem gemeinsamen Mandat an – oder schaut gemeinsam zu, wir sich Stammesfürsten gegenseitig auf Kosten ihrer Bevölkerung zerfleischen.

Die Welt ist gemeinsam im Frieden. Die heutigen Kriege finden an den Verhandlungstischen der Mächtigen statt, auf den Parketts der Börsen und in den Chefetagen der großen Konzerne. Aber sie finden immer noch zu Lasten des Volkes statt.

Der Unmut, die Unzufriedenheit der Bevölkerung schwelt und findet kein wirkliches Ventil mehr. Es ist den Mächtigen dieser Welt nicht mehr möglich, die Wut der Masse auf einen anderen Aggressor zu richten  –  es gibt keinen mehr. Also richtet sich die Wut des einfachen Mannes gegen die eigenen Regierungen.

Die Demokratie gibt dem einzelnen Bürger das vermeindliche Recht, die Regierung zu stürzen, andere Herrscher einzusetzen und auf Besserung zu hoffen. Doch von Regierung zu Regierung hat sich in den letzten zwanzig Jahren die Lage des Volkes immer weiter verschlechtert.

Egal wen man wählt, „die da oben“ bringen nur ihr eigenes Scherflein ins Trockene und den einfachen Mann lassen alle im Regen stehen. Und das Zeitalter der Globalisierung, der immer schneller werdenden Informationen bringt noch eine weitere Erkenntnis, die den früheren Menschen verborgen blieb: Die Lage ist überall auf der Welt gleich.

Wohin mit der ohnmächtigen Wut und Unzufriedenheit der Menschen? Sie macht sich Luft in Drogen- und Alkoholexzessen; in Krawallen, Plünderungen und brennenden Autos oder in der Ausweglosigkeit der Selbstmorde.

Rechte Agitatoren versuchen immer noch, nach alten Mustern, die Wut auf vermeindlich Schuldige zu richten und schüren den Ausländerhass. Terroristische Angriffe und Katastrophen werden religiös angestrichen und einer bestimmten Religion angelastet. Hauptsache es wird jemand gefunden, auf den man die Unzufriedenheit und den wachsenden Hass projizieren kann.

Wer ist wirklich „schuld“? Wir alle! Immer noch sind wir in den alten Denkmustern verhaftet. Immer noch suchen wir nach Schuldigen – und schaffen sie uns notfalls. Immer noch liegt unser Schicksal in der Unfähigkeit anderer.

Die Technisierung und das Internet haben den Weltfrieden, den Informationsfluß und unseren Wohlstand in eine Dimension beschleunigt, die wir nicht mehr überblicken können.

Wir leben zwar in Frieden und Wohlstand, wir haben was wir zum Leben brauchen, auch ohne 60 Stunden oder mehr in der Woche schuften zu müssen. Doch statt uns das recht sorgenfreie Leben zu bewahren, streben wir ständig nach noch mehr. Und jeder noch so kleine Versuch uns davon abzuhalten oder gar unseren Wohlstand zu schmälern, wird sanktioniert.

Wir wollen festhalten und uns nicht mehr nehmen lassen, was wir uns erkämpft haben. Erkämpft? Nein, erstritten, in vielen Verhandlungen. In Verhandlungen mit „denen da oben“.

Die früheren Kriege führten, unabhängig vom Sieger, immer zum Wiederaufbau des Verlorenen. Zu neuen Anstrengungen einen angenehmen Wohlstand zu erwirtschaften. Diesen Wiederaufbau versagt uns der Frieden. Wir vermehren nur noch den Wohlstand – und stellen erschreckt fest, dass andere, vor Allem „die da oben“ damit schneller voran kommen. Ja, sogar, dass sie ihren Wohlstand auf unsere Kosten erwirtschaften.

Die Welt hat gemeinsam einen Frieden geschaffen. Wir nutzen gemeinsam die Vorzüge globaler Vernetzung und schnellen Informationsaustausches. Doch wenn es um unseren Wohlstand geht, verhalten wir uns alle, „die da oben“ und die einfachen Leute des Volkes, wie zur Zeit der Neandertaler. Wer hat der hat. Der Stärkere hat mehr.

Es wird Zeit nach dem Frieden und der weltweiten Vernetzung nun auch unseren Wohlstand gleichmäßig über die Welt zu verteilen. Wenn wir endlich die unendliche Chance des weltweiten Friedens begriffen haben, die Vernetzung zur gleichmäßigen Verteilung der Ressourcen gemeinsam nutzen würden, könnten wir sehen, das Wohlstand für alle auch unsere Umwelt schonen und unsere Erde erhalten könnte.

Es wird Zeit auch unser Denken in die moderne Welt zu bringen. Unzufriedenheit ist der Ausdruck mit etwas im eigenen Leben nicht im Frieden zu sein. Die alten kriegerischen Denkmuster müssen Platz machen für die neuen Möglichkeiten einer friedlichen vernetzten Welt.

Wenn wir weiterhin in einer friedlichen Weltgemeinschaft leben wollen, dann müssen wir lernen, dass der Stärkere die Verpflichtung hat, dem Schwächeren zu helfen. Unsere Regierenden müssen endlich verstehen, daß sie Diener ihres Volkes sind, nicht mehr Herrscher ihrer Untertanen.

Die Wirtschaftsbosse müssen endlich (wieder) lernen, daß ihr Wachstum von ihren Arbeitnehmern und Konsumenten abhängig ist und daß sie nur dann ihr Vermögen erhöhen und vermehren können, wenn sie bereit sind, so viel wie möglich davon auch zu teilen.

Alte und erfahrene Menschen gehören nicht aufs Abstellgleis. Ihre Erfahrungen sind es, die uns befähigen das global verfügbare Wissen in lebensnahe Wirklichkeit umzusetzen. Alles Wissen nutzt nichts, wenn man nicht weiß, wie man es anwendet.

Die Alten sollten befähigt werden ihre Lebenserfahrung an die jungen Menschen weiterzugeben, um diese aus ihrer Perspektivlosigkeit zu holen. Unsere technische Welt ist so hochgepuscht, dass uns niemand mehr etwas über die Anfänge erzählt. Niemand erklärt uns die einfachen Handgriffe, die es uns ermöglichen auch ohne technische Hilfsmittel unser Ziel zu erreichen.

Kommen wir auf unsere Eingangsfragen zurück. Was passiert da gerade mit unserer Welt? Regierende haben keine Antworten, solange sie an alten Verhaltens- und Denkmustern festhalten. Sie verwalten den Augenblick ohne Perspektiven für die Zukunft. In einer immer schneller sich ändernden Welt, haben sie die Übersicht verloren (sofern sie sie einmal hatten).

Das Einzige was sie zu ihren alten Denkmustern dazu bekommen haben, ist der weltweite Frieden. Ob dieser globale Frieden Fluch oder Segen ist hängt davon ab, wie schnell wir alle unsere Gedankenwelt umstellen können.

Knopf im Ohr II – Vereinsamung

Veröffentlicht: 28. Juli 2011 in Coaching, Persönlichkeit
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Manche Leute muss man grundsätzlich zwei Mal ansprechen. Einmal damit sie merken, dass sie angesprochen werden und den Knopf aus dem Ohr nehmen und das zweite Mal dann um tatsächlich die Unterhaltung zu beginnen.
Auf die Dauer und je öfter das passiert, desto weniger Lust habe ich, Leute mit Knopf im Ohr überhaupt anzusprechen. Und da bin ich vermutliche nicht der Einzige, der so denkt. So geht langsam aber sicher immer mehr zwischenmenschliche Kommunikation verloren.
Immer öfter fällt mir auch auf, dass vorwiegend jüngere Leute den Knopf schon gar nicht mehr aus dem Ohr nehmen. Für mich sind solche Unterhaltungen dann sehr schnell zuende. Der Knopf im Ohr signalisiert in solchen Situationen ganz eindeutig den mangelnden Respekt gegenüber dem Gesprächspartner. Der Betreffende ist scheinbar nicht bereit den Ausführungen und Argumenten seines Gegenüber in aller Offenheit zu begegnen.
Ebenso unerträglich finde ich gemeinsame Unternehmungen bei denen ein (oder mehr) Teilnehmer die Knöpfe im Ohr hat. Ob das Autofahrten, Wanderungen, Mahlzeiten oder Festlichkeiten sind – der Knopf im Ohr signalisiert „ich bin anwesend, aber nicht ansprechbar“.
Viele Untersuchungen und Diskussionen hat es bezüglich der Vereinsamung durch Computer gegeben. Doch hierbei gibt es zumindest eine virtuelle Community mit der man verbunden ist und zu der es sehr oft auch reale Beziehungen gibt. Die Vereinsamung durch die Abschottung mit dem Knopf im Ohr scheint so ganz nebenbei unbemerkt zu bleiben.
Der ständige Knopf im Ohr, die Beschränkung der Welt auf die eigenen Gedanken und Gefühle, verbunden mit der bewußten oder unbewußten Ausgrenzung der Umgebung unter dem Vorwand Musik hören zu wollen, führen zu einer neuen, bisher unbeachteten, Qualität von Vereinsamung.
In dieser neuen Qualität der Vereinsamung spiegelt sich nicht nur ein Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen wieder, sondern auch ein Verlust von Lebenswirklichkeit und natürlicher Sinneseindrücke.
Dazu mehr im Teil III.