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Ein Kommentar zur OB-Abwahl in Duisburg

Die Bürger in Duisburg haben entschieden – OB Adolf Sauerland ist abgewählt. Eineinhalb Jahre hat er die Stadt gespalten, sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Niemand hat ihm sein Verhalten nach der Loveparade-Katastrophe verziehen und viele konnten nicht verstehen, dass ihm der Machterhalt wichtiger war, als die Meinung der Menschen und Bürger seiner Stadt.

Die Wahlbeteiligung war mit 41,6% weit höher als alle glaubten. Und das Ergebnis mit mehr als 129.000 Stimmen gegen den OB mehr als eindeutig. Schon bei der Sammlung der Stimmen war die nötige Anzahl weit überschritten worden. Auch jetzt bei der Wahl haben die Bürger Duisburgs die Erwartungen weit übertroffen. Schon 92.000 Stimmen hätten gereicht. Doch die Wut der Menschen in dieser Stadt war größer.

Den Hinterbliebenen und den Geschädigten der Loveparade-Katastrophe haben die Bürger der Stadt Duisburg mit dieser Entscheidung gezeigt, dass sie an ihrer Seite stehen, mit ihnen fühlen und vom ersten Mann ihrer Stadt ein solch schändliches Verhalten nicht dulden.

Doch dieses Abwahl-Ergebnis ist noch weit mehr als die Abwahl eines unliebsamen Stadtoberhauptes und die Solidarität mit den Opfern. Mit diesem Abwahl-Ergebnis haben die Menschen gezeigt, dass sie bereit und Willens sind in die Entscheidungen der Politik einzugreifen. Sie haben gezeigt, dass die Forderungen der Piratenpartei und anderer Organisationen, wie z.B. Direkte Demokratie e.V., nach mehr Bürgerentscheiden von ihnen mit getragen werden.

Die Bürger dieses Landes wollen nicht mehr nur alle paar Jahre ihre Stimme abgeben und dann die Ergebnisse abwarten, die hinter verschlossenen Türen verhandelt und beschlossen werden. Sie wollen wissen was die von ihnen gewählten Volksvertreter tun und sie wollen gefragt werden. Sie haben es satt immer nur ausbaden zu müssen.

Die Bürger verlangen eine neue Generation Politiker. Menschen, die nicht an Stühlen und Ämtern kleben, sondern ihr Ohr am Wunsch der Bürger haben. Leute, die offen und ehrlich für ihre Meinung und ihre politischen Entscheidungen einstehen und den Bürger erkennen lassen, was gerade in seinem Namen getan wird. Hinterzimmerpolitik adè!

Der neue Bürgermeister in Duisburg weiß bereits mit seinem Antritt, dass er sein Amt von den Bürgern dieser Stadt nur geliehen bekommt und dass diese ihn genau beobachten. Und er weiß, dass die Bürger sich nicht scheuen, ihn wieder von seinem Thron zu jagen, wenn er gravierende Fehler macht.

Ein neuer Oberbürgermeister in Duisburg hat nur dann eine Chance auf eine lange Amtszeit, wenn er offene, transparente und ehrliche Politik macht, die die Bürger mittragen können. Solange er in dieser Offenheit regiert und solange er zeigt, dass ihm die Menschen dieser Stadt wichtig sind, hat er gute Karten. Wenn nicht, dann . . .

Und die Politiker in Land und Bund sollten sich darauf einstellen, dass sich diese Politik auch in ganz Deutschland durchsetzen wird. Und sie sollten sich darauf einstellen, dass die Bürgerentscheide zukünftig auch bis in die höchsten Ämter reichen werden.

Duisburg hat gezeigt, dass die Menschen bereit sind Demokratie zu leben: Alle Macht geht vom Volke aus!

Hans-Peter Weyer