Mit ‘Terror’ getaggte Beiträge

Gefeiert werden soll der Tag der deutschen Einheit. Der Tag an dem Ost- und Westdeutschland wieder zusammengewachsen sind, an dem offiziell die Belagerung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg sein Ende gefunden hat. Viele Menschen haben auf diese Einigung hingearbeitet. Viele haben in der ehemaligen DDR auf die Freiheit gewartet und dafür gekämpft. Und plötzlich ist alles nur noch Chaos.

Kaum ein Ereignis zeigt deutlicher wie geteilt, wie zerrissen dieses Land ist. Deutschland ist gespalten wie kaum jemals zuvor. Risse zwischen Ost und West. Spaltung zwischen arm und reich. Unverständnis zwischen Christentum und Islam. Ablehnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Zwietracht zwischen Migranten und Deutschen. Uneinigkeit zwischen Europäern und Nationalisten. Und alles mit verbaler und körperlicher Gewalt untermauert.

Ich kann diese Eskalation nicht verstehen. Ich kann sie nicht nachvollziehen. Ich kann keine Ursache finden, die diese Gewalt so plötzlich möglich gemacht haben soll. Und ich will es auch gar nicht.

Viele Jahrzehnte habe ich mit meinen in- und ausländischen Freunden friedlich zusammen gelebt. Wir sind gemeinsam zur Schule gegangen, haben gemeinsam gefeiert und gelacht. Viele verschiedenen Religionen und Weltanschauungen konnten in diesen Jahren friedlich miteinander klar kommen. Wir haben diskutiert und unsere unterschiedlichen Meinungen ausgetauscht. Wir haben voneinander gelernt und einander verstanden – oder zumindest akzeptiert.

Eine andere Meinung war nicht gleich eine feindliche Meinung. Und eine verbale Auseinandersetzung wurde kein Akt der Gewalt. Es war immer eine Bereitschaft zum Kompromiss möglich. Und wo Kompromiss nicht möglich war, behielt einfach jeder seine Meinung und sie existierten gleichberechtigt nebeneinander, bis es neue Gesichtspunkte gab und wieder diskutiert wurde. Miteinander war das entscheidende Lebensgefühl, das in vielen Situationen auch zu einem Füreinander wurde.

Heute ist jeder mit einer anderen Meinung gleich ein Feind. Es wird nicht einmal mehr zugehört und über die Meinung diskutiert. Es wird gleich abgeschaltet und wenn möglich gibts eins aufs Maul. Wer solch eine Meinung hat, dem gehört die Meinungsfreiheit gestrichen, und das am besten gleich und mit der Faust oder einem Knüppel. Meinungsfreiheit ja, aber bitte nicht mit solche Meinungen. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und gehört vernichtet.

Wie kann ich in einer solchen Atmosphäre lernen? Wie kann ich diskutieren und mein Leben bereichern, wenn jedes Wort möglicherweise Gewalt auslöst? Wohin soll das führen? Es wird ins Chaos führen. Denn wo niemand mehr bereit ist miteinander zu reden, sind keine Kompromisse mehr möglich und die Gemeinschaft fällt ins Chaos, in die Aufhebung von Regeln und Gesetze.

Und es ist wichtig, dass wir uns das bewußt machen. Mangelnde Bereitschaft miteinander zu reden, fehlende Kompromissbereitschaft und fehlende Bereitschaft zu lernen, führen unweigerlich zu Gewalt und Krieg. Angst vor dem Terror? Er ist längst da. Mitten unter uns. Und er kommt nicht von muslimischen Attentätern. Er kommt von uneinsichtigen  „Wutbürgern“ und „Antifaschisten“ und sonstigen Gruppierungen, die die Fähigkeit zu Reden und Diskutieren verloren haben. Das Chaos, die Zerrissenheit im eigenen Land, ist der wahre Grundstein zum Terror.

 

 

 

 

Hannover, München und manches mehr – Absage von Veranstaltungen in Deutschland wegen „konkreter Terrorhinweise“, die am nächsten Tag in „allgemeiner Gefahrenlage“ münden. Ich will mir davon keine Angst machen lassen!

Wieder einmal hat der Terror seine hässliche Fratze gezeigt. In München konnte nur verhalten Silvester gefeiert werden. Und das obwohl gerade die Knallerei in der Silvesternacht die bösen Geister zugunsten des neuen Jahres vertreiben soll.

Stattdessen werden Bahnhöfe geschlossen, die Menschen aufgefordert Manschenansammlungen zu meiden und die Angst vor dem Terror mitgenommen in das neue Jahr. Und am nächsten Tag ist trotz konkreter Terrormeldung, sogar mit Namen des Attentäters, niemand festgenommen. Übrig bleibt wieder nur, wie auch in Hannover und anderen Fällen, eine „allgemeine Gefahrenlage“.

Ich habe von diesen Meldungen die Nase voll und ich lasse mir keine Angst machen! Wenn es „konkrete“ Hinweise gibt ist es Aufgabe der Polizei, die Bevölkerung durch Festnahmen zu schützen und nicht durch Absage kultureller oder anderer Veranstaltungen. Die „allgemeine Gefahrenlage“ ist allgegenwärtig und sie wird kein bischen weniger indem wir uns verunsichern und in Panik versetzen lassen.

Die Reaktion der Polizei auf die vermeindlich „konkreten Hinweise“ zeigt nur eins deutlich: die Panik der Verantwortlichen bei Polizei und Politik vor dem eigenen Versagen. Wenn es tatsächlich konkrete Hinweise gäbe, dann gäbe es auch konkrete Festnahmen. Es mag Hinweise geben. Die Reaktionen zeigen jedoch, dass es viel zu viel Unwissenheit gibt, wie diese Hinweise zu werten sind und wie man die Menschen schützen soll.

Es gibt eine „allgemeine Gefahrenlage“, ganz ohne Frage und sie kann das Leben abrupt beenden. Das ist das Risiko des Lebens, dass es mit dem Tod enden kann. Es besteht eine ständige Gefahr, dass ich aus dem Bett falle und mir das Genick breche. Ich werde mir trotzdem kein Gitter um das Bett machen lassen. Es besteht eine ständige Gefahr, dass ich im Strassenverkehr Opfer eines tödlichen Verkehrsunfalls werde. Ich werde mich trotzdem nicht in meiner Wohnung einschliessen lassen. Es besteht eine ständige Gefahr, dass der Mensch vor, neben oder hinter mir unter seiner Jacke einen Sprengstoffgürtel trägt. Ich werde mir trotzdem nicht Panik einreden lassen, sondern jedem mit fröhlicher und freundlicher  Offenheit begegnen.

Wir können der Gefahr nicht entgehen. Aber wir können uns weigern, sie solange in unser Leben zu lassen, bis sie uns tatsächlich  erreicht. Wir können uns weigern unser Leben der Angst zu opfern, statt es zu geniessen. Ich jedenfalls lasse mich lieber eines Tages mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen in die Luft sprengen, als jetzt schon mein Leben der Panik zu opfern.

Denn nur dann weiß ich das ich gelebt habe! Machst Du mit?